Mit großer Bestürzung mussten die Vertreter der Deutschen Schmerzliga (DSL) e.V. erfahren, dass sich die Mitgliederversammlung der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. – ihres neuen Kooperationspartners – am 17.10.2012 in Mannheim mit großer Mehrheit gegen die gemeinsam seit Jahren von der Deutschen Schmerzliga, der Deutschen Gesellschaf für Schmerztherapie (DGS) e.V. und dem Berufsverband der Schmerztherapeuten Deutschlands (BVSD) vorangetriebene Forderung nach einem Facharzt für Schmerzmedizin ausgesprochen hat.
Dem Beschluss vorausgegangen war ein im Vorfeld der Mitgliederversammlung der Deutschen Schmerzgesellschaft frist- und satzungsgerecht eingereichter Antrag des DGS-Vorstandsmitglieds Dr. Emrich sowie eine hochemotionale Diskussion an deren traurigem Ende die Patientenvertreter der Deutschen Schmerzliga fassungslos miterleben mussten, dass die gemeinsamen Bemühungen zur Verbesserung der schmerzmedizinischen Versorgung chronischer Schmerzpatienten in Deutschland von den Mitgliedern der Deutschen Schmerzgesellschaft – gegen die ausdrückliche Empfehlung des eigenen Vorstandes – keine Mehrheit fanden.
„Mit diesem Mehrheitsvotum haben die Mitglieder der Deutschen Schmerzgesellschaft dem Anliegen chronischer Schmerzpatienten einen Bärendienst erwiesen“ konstatiert der Präsident der Deutschen Schmerzliga Dr. Michael Überall frustriert. „Damit wurden uns und all unseren Bemühungen um eine gemeinsame Position bzgl. dieses Uranliegen niedergelassenen Schmerztherapeuten und chronischer Schmerzpatienten der Boden unter den Füßen weggezogen. Wir sind von dieser Entwicklung überrascht worden und müssen nun zusammen mit dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie diskutieren, wie wir weiter machen“, fasst Vizepräsident Harry Kletzko dieses Ergebnis der Mitgliederversammlung der Deutschen Schmerzgesellschaft zusammen. „Klar ist, dass wir jetzt nicht einfach da weiter machen können, wo wir zuletzt standen“ schließt Überall. „Letztlich wurde mit diesem Mitgliederbeschluss ja auch die jahrelange Arbeit des bisherigen Vorstandes der Deutschen Schmerzgesellschaft in Frage gestellt.“
„Jetzt muss der Vorstand der Deutschen Schmerzgesellschaft aus meiner Sicht nun erst einmal klären, welche Position er in Zukunft vertreten will“, erläutert Überall dem Vorstand der Deutschen Schmerzliga die aktuelle Situation. Hier ist jetzt dringende Aufklärung seitens der Deutschen Schmerzgesellschaft zu leisten, was letztlich Anlass für diese überraschende Ablehnung des Antrags für ihre Mitgliederversammlung war.
Noch am Abend beschlossen die Präsidenten der Deutschen Schmerzliga und der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, sich auch von diesem neuen Hindernis nicht von ihrem eingeschlagenen Weg abbringen zu lassen. „Wir brauchen dringend einen Facharzt für Schmerzmedizin, wenn wir die gesundheitspolitischen Grundprobleme der unzureichenden Versorgung von Schmerzpatienten in Deutschland lösen wollen“ schließt Dr. Müller-Schwefe und Dr. Überall ergänzt, dass „die Deutsche Schmerzliga auch weiterhin gemeinsam mit allen ernsthaft an einer Verbesserung der schmerzmedizinischen Versorgung in Deutschland interessierten Fachgesellschaften zusammen arbeiten wird, diese müssten jedoch eindeutig und zweifelsfrei Position beziehen und Stellung nehmen, wie sie gedenken die Bedürfnisse Betroffener nachhaltig zu verbessern“. Bleibt abzuwarten, wie sich die Deutsche Schmerzgesellschaft dazu äußert.
Herzlich Willkommen bei der Deutschen Schmerzliga e.V.! Chronische Schmerzen sind eine Krankheit, unter der viele Millionen Menschen in Deutschland unnötig leiden. Unnötig deshalb, weil es heute viele Therapieansätze gibt, chronische Schmerzen effektiv zu behandeln. Die Deutsche Schmerzliga e.V. macht sich seit über 20 Jahren stark für die Belange von Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden. Informationen unter: www.schmerzliga.de
Donnerstag, 1. November 2012
Montag, 29. Oktober 2012
Chronischer Schmerz: Wird zu viel operiert? Rückblick auf die 15. Südwestdeutschen Schmerztage
Die Südwestdeutschen Schmerztage
locken jedes Jahr mehr als 200 Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten und
Angehörige der Pflegeberufe nach Göppingen. Auch bei der 15. Veranstaltung am 12.
und 13. Oktober 2012 drängten sich in den Veranstaltungsräumen der Göppinger
Stadthalle die Zuhörer. Das Motto der Tagung lautete: Schmerzmedizin heute : Kontroversen
– Innovationen – Perspektiven.
Und von allen dreien gab es
reichlich. Es ging um die häufigsten Schmerzformen, beispielsweise
Spannungskopfschmerzen und Rückenschmerzen. Die Experten beleuchteten aber auch
seltene Schmerformen, wie etwa das chronisch regionale Schmerzsyndrom.
Diskutiert wurden die Einsatzmöglichkeiten neuer Medikamente und die
Schmerztherapeuten präsentierten Perspektiven, wie die Versorgung von Patienten
verbessert werden kann.
Traditionell sind die Südwestdeutschen
Schmerztage nicht nur eine Veranstaltung für Experten, sondern auch für
betroffene Patientinnen und Patienten und interessierte Bürger. In diesem Jahr
lautete das Motto des wie immer gut besuchten öffentlichen Forums: Auf Messers
Schneide – wird zu viel operiert? Am Ende der Tagung stand der Leiter der
Südwestdeutschen Schmerztage, Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident
der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie und Leiter der Schmerztage, für
ein Interview zur Verfügung. Das Gespräch hat Barbara Ritzert geführt.
Interview mit Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe
Interview mit Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe
Dienstag, 9. Oktober 2012
»Schmerz alleine ist kein Grund für eine Operation« Auf Messers Schneide – wird zu viel operiert? / Patientenforum im Rahmen der 15. Südwestdeutschen Schmerztage in Göppingen
(Göppingen) Ständige Schmerzen im Rücken, im Knie, in der Hüfte oder in der Schulter – die Hoffnung betroffener Patienten ist verständlich, dass eine Operation die Pein schnell beseitigen möge. Dies kann auch der Fall sein – vorausgesetzt die Indikation wurde korrekt gestellt. »Doch Schmerz alleine ist keine Indikation für eine Operation«, warnt Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Göppingen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie und Leiter der 15. Südwestdeutschen Schmerztage, die am kommenden Wochenende in Göppingen stattfinden. Die Frage, wann Operationen und wann schmerztherapeutische Konzepte sinnvoll sind, beantworten Experten im Rahmen des öffentlichen Patientenforums »Auf Messers Schneide – wird zu viel operiert?«, das am 12. Oktober 2012 um 18:00 Uhr in der Stadthalle Göppingen stattfindet. Der bekannte Rundfunkmoderator Michael Branik wird durch das Forum führen.
Kann man ständige Schmerzen einfach wegoperieren? Viele Ärzte und Patienten scheinen davon überzeugt zu sein. So stieg beispielsweise innerhalb von drei Jahren – zwischen 2007 und 2010 – die Zahl der Bandscheiben-Operationen in Deutschland um 30 Prozent. Im Jahr 2007 registrierte das Statistische Bundesamt 140.000 Eingriffe, 2010 waren es bereits 171.000 (aktuellere Daten liegen nicht vor). Die Zahl der Wirbelsäulenversteifungen mit Schrauben und Platten aus Metall hat sich in diesem Zeitraum sogar nahezu verdreifacht.
Überflüssige Eingriffe. Gegen nahezu alle Schmerzarten werden heute Operationen angeboten, sogar gegen Migräne. Doch trotz aller Fortschritte der Operationstechniken mehren sich inzwischen die Hinweise, dass viele dieser Eingriffe überflüssig sind, mitunter sogar schädlich. »Wir wissen beispielsweise schon seit Jahren, dass es Patienten mit Bandscheibenvorfall und ins Bein ausstrahlenden Schmerzen ob mit oder ohne OP nach einem Jahr besser geht«, sagt Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Leiter der Südwestdeutschen Schmerztage.
Zweit-Meinung vor Operation. Darum bietet die Techniker Krankenkasse seit dem Jahr 2010 ihren Versicherten die Möglichkeit, sich vor einer Rücken-Operation eine zweite Expertenmeinung in speziellen Schmerzzentren einzuholen. Das Göppinger Schmerzzentrum von Dr. Müller-Schwefe ist eines dieser Zentren, von denen es bundesweit über 30 gibt.
In 85 Prozent der Fälle ist keine OP nötig. Von diesem Angebot haben zwischenzeitlich 500 Patientinnen und Patienten Gebrauch gemacht. Das Ergebnis einer Auswertung des Programms zu Beginn des Jahres überraschte selbst Experten: In 85 Prozent der Fälle riet das Schmerzteam – bestehend aus Schmerzmediziner, Psychotherapeut und Physiotherapeut – von einer Operation ab und empfahl eine sogenannte multimodale Therapie, die inzwischen der Goldstandard in der Schmerzbehandlung ist. Multimodal bedeutet, dass verschiedene Therapien – Medikamente, Bewegung, psychologische Strategien, Physiotherapie – von jeweiligen Experten im Rahmen eines Kompaktprogrammes kombiniert werden. »Dieses Vorgehen ist besonders bei Rückenschmerzen hochwirksam«, sagt Dr. Müller-Schwefe. »Die Erfolgsrate liegt bei über 80 Prozent.«
Gleichwohl räumt der Experte ein, dass es natürlich Fälle gibt, bei denen eine Operation hilfreich ist. »Auf der einen Seite sind Operationen zwar Verletzungen und bergen Risiken«, sagt Dr. Müller-Schwefe. »Auf der anderen Seite darf man nicht so lange warten bis unumkehrbare Schäden entstanden sind, wenn ein Eingriff die beste Lösung ist.«
Wichtig ist eine gute Schmerztherapie nach der Operation. »Ist eine Operation erforderlich, müssen die Therapieziele realistisch gesetzt werden«, rät Dr. Müller-Schwefe. Denn nicht nur der Eingriff selbst, sondern auch die richtige Nachbehandlung sind für das Behandlungsergebnis entscheidend. »Zu dieser Nachbehandlung gehört in jedem Fall eine gute Schmerztherapie«, sagt Dr. Müller-Schwefe. Denn wer Schmerzen hat, mag sich nicht bewegen und aktiv werden. Doch dies ist entscheidend für den Behandlungserfolg. »Wenn ein Therapieergebnis nicht zufriedenstellend ausfällt, muss dies nicht an der Operation liegen, sondern kann die Folge einer ungenügenden postoperativen Schmerzbehandlung und damit das Ergebnis mangelnder Aktivierungs- und Trainingsmöglich-keiten sein.«
Im Patientenforum im Rahmen der Südwestdeutschen Schmerztage informieren Fachleute auf verschiedenen medizinischen Gebieten über die aktuellen Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie von Schmerzen des Bewegungssystems und erläutern Chancen und Risiken operativer und konservativer Therapien. Der bekannte Rundfunkmoderator Michael Branik wird durch das Forum führen und mit kritischen Nachfragen für präzise Informationen sorgen.
Schmerz verstehen und behandeln
Auf Messers Schneide: Wird zu viel operiert?
Öffentliches Forum am Freitag, 12. Oktober 2012 · 18:00 Uhr · Stadthalle Göppingen
http://www.schmerztag.org/
Kann man ständige Schmerzen einfach wegoperieren? Viele Ärzte und Patienten scheinen davon überzeugt zu sein. So stieg beispielsweise innerhalb von drei Jahren – zwischen 2007 und 2010 – die Zahl der Bandscheiben-Operationen in Deutschland um 30 Prozent. Im Jahr 2007 registrierte das Statistische Bundesamt 140.000 Eingriffe, 2010 waren es bereits 171.000 (aktuellere Daten liegen nicht vor). Die Zahl der Wirbelsäulenversteifungen mit Schrauben und Platten aus Metall hat sich in diesem Zeitraum sogar nahezu verdreifacht.
Überflüssige Eingriffe. Gegen nahezu alle Schmerzarten werden heute Operationen angeboten, sogar gegen Migräne. Doch trotz aller Fortschritte der Operationstechniken mehren sich inzwischen die Hinweise, dass viele dieser Eingriffe überflüssig sind, mitunter sogar schädlich. »Wir wissen beispielsweise schon seit Jahren, dass es Patienten mit Bandscheibenvorfall und ins Bein ausstrahlenden Schmerzen ob mit oder ohne OP nach einem Jahr besser geht«, sagt Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Leiter der Südwestdeutschen Schmerztage.
Zweit-Meinung vor Operation. Darum bietet die Techniker Krankenkasse seit dem Jahr 2010 ihren Versicherten die Möglichkeit, sich vor einer Rücken-Operation eine zweite Expertenmeinung in speziellen Schmerzzentren einzuholen. Das Göppinger Schmerzzentrum von Dr. Müller-Schwefe ist eines dieser Zentren, von denen es bundesweit über 30 gibt.
In 85 Prozent der Fälle ist keine OP nötig. Von diesem Angebot haben zwischenzeitlich 500 Patientinnen und Patienten Gebrauch gemacht. Das Ergebnis einer Auswertung des Programms zu Beginn des Jahres überraschte selbst Experten: In 85 Prozent der Fälle riet das Schmerzteam – bestehend aus Schmerzmediziner, Psychotherapeut und Physiotherapeut – von einer Operation ab und empfahl eine sogenannte multimodale Therapie, die inzwischen der Goldstandard in der Schmerzbehandlung ist. Multimodal bedeutet, dass verschiedene Therapien – Medikamente, Bewegung, psychologische Strategien, Physiotherapie – von jeweiligen Experten im Rahmen eines Kompaktprogrammes kombiniert werden. »Dieses Vorgehen ist besonders bei Rückenschmerzen hochwirksam«, sagt Dr. Müller-Schwefe. »Die Erfolgsrate liegt bei über 80 Prozent.«
Gleichwohl räumt der Experte ein, dass es natürlich Fälle gibt, bei denen eine Operation hilfreich ist. »Auf der einen Seite sind Operationen zwar Verletzungen und bergen Risiken«, sagt Dr. Müller-Schwefe. »Auf der anderen Seite darf man nicht so lange warten bis unumkehrbare Schäden entstanden sind, wenn ein Eingriff die beste Lösung ist.«
Wichtig ist eine gute Schmerztherapie nach der Operation. »Ist eine Operation erforderlich, müssen die Therapieziele realistisch gesetzt werden«, rät Dr. Müller-Schwefe. Denn nicht nur der Eingriff selbst, sondern auch die richtige Nachbehandlung sind für das Behandlungsergebnis entscheidend. »Zu dieser Nachbehandlung gehört in jedem Fall eine gute Schmerztherapie«, sagt Dr. Müller-Schwefe. Denn wer Schmerzen hat, mag sich nicht bewegen und aktiv werden. Doch dies ist entscheidend für den Behandlungserfolg. »Wenn ein Therapieergebnis nicht zufriedenstellend ausfällt, muss dies nicht an der Operation liegen, sondern kann die Folge einer ungenügenden postoperativen Schmerzbehandlung und damit das Ergebnis mangelnder Aktivierungs- und Trainingsmöglich-keiten sein.«
Im Patientenforum im Rahmen der Südwestdeutschen Schmerztage informieren Fachleute auf verschiedenen medizinischen Gebieten über die aktuellen Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie von Schmerzen des Bewegungssystems und erläutern Chancen und Risiken operativer und konservativer Therapien. Der bekannte Rundfunkmoderator Michael Branik wird durch das Forum führen und mit kritischen Nachfragen für präzise Informationen sorgen.
Schmerz verstehen und behandeln
Auf Messers Schneide: Wird zu viel operiert?
Öffentliches Forum am Freitag, 12. Oktober 2012 · 18:00 Uhr · Stadthalle Göppingen
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Donnerstag, 28. Juni 2012
Birgitta Gibson, Vizepräsidentin der Deutschen Schmerzliga, mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet
(Frankfurt/Main) Birgitta Gibson, Vizepräsidentin der
Deutschen Schmerzliga e.V. wurde am Dienstag, den 26. Juni 2012 für ihr
Engagement für das Gemeinwohl mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der
Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Dr. Manuela Rottmann, Dezernentin für
Umwelt, Gesundheit und Personal überreichte Birgitta Gibson die Ehrung am 26.
Juni 2012 im Frankfurter Römer.
Birgitta Gibson, gründete im Jahr 1989 in Frankfurt am
Main eine Selbsthilfegruppe für Schmerzpatienten, die zur Keimzelle der
Deutschen Schmerzliga wurde und die von der Vizepräsidentin der
Patientenorganisation auch heute noch betreut wird. Frau Gibson gehört auch zu
den Gründungsmitgliedern der Patientenorganisation, die sich seit 1990 für die
Belange von Patienten mit chronischen Schmerzen einsetzt. Von 1997 - 1999 war
Birgitta Gibson Mitglied im Vorstand, engagiert sich seit 2002 erneut als
Vizepräsidentin und wurde im April 2012 mit großer Mehrheit wieder in den
Vorstand gewählt.
Birgitta Gibson ist selbst seit 1983 Schmerzpatientin.
Die ehemalige Lehrerin setzt sich dafür ein, dass chronischer Schmerz als
eigenständige Erkrankung anerkannt wird und betroffene Patienten von speziell
ausgebildeten Ärzten behandelt werden. »Ich habe erst mit einer kompetenten
Schmerztherapie wieder Lebensqualität erlangt. Nachdem es mir endlich besser ging,
wollte ich Betroffenen beistehen und ihnen Mut machen nicht aufzugeben. Anderen
Schmerzpatienten zu helfen ist ein ureigenstes Anliegen, wenn man selbst
Schmerzpatient ist«, erklärt Gibson ihre Motivation, sich für Schmerzpatienten
einzusetzen.
»Wir freuen uns sehr, dass mit Frau Gibson eine so
engagierte und verdiente Vorstandskollegin mit der Verdienstmedaille geehrt
wurde«, erklärt Dr. med. Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga
e.V. »Dies ist nicht nur eine Bestätigung ihrer bisherigen Arbeit und Impuls
weiter zu machen, sondern auch Ansporn für uns alle, die wir mit ihr zusammen
arbeiten dürfen. Mit dieser Auszeichnung wird zu Recht eine Vertreterin der
Deutschen Schmerzliga geehrt, die von Anfang an nicht nur mit dabei, sondern stets
auch mitten drin gewesen ist. Frau Gibson, ist ein Paradebeispiel für die
Persönlichkeiten, die wir heute dringender denn je brauchen, wenn wir etwas für
die von chronischen Schmerzen Betroffenen in unserem Gesundheitssystem ändern
wollen: Wir brauchen Menschen voller Mut und Engagement, die die Dinge ändern
wollen, die geändert werden müssen, die auch die notwendigen Weisheit haben,
diese Dinge zu erkennen, und die mit entspannter Gelassenheit auch solche Dinge
in Angriff nehmen, von denen landläufig behauptet wird, dass sie sich nicht
ändern lassen.«
»Birgitta Gibson ist ein besonders gutes Beispiel dafür,
wie man die Aufforderung, sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl einzusetzen in
die Wirklichkeit umsetzen kann«, ergänzt Dr. med. Marianne Koch, Ehrenpräsidentin
der Deutschen Schmerzliga. »Frau Gibson hat, ungeachtet ihrer persönlichen gesundheitlichen Probleme
gezeigt, wie viel Engagement und Kraft von einem Menschen ausgehen können, der
sich dem Allgemeinwohl verpflichtet fühlt und der persönliche Interessen hinter
das Wohlergehen von anderen zurückstellt.«
Samstag, 16. Juni 2012
Herausnahme starker Schmerzmittel aus der Austauschpflicht: Schmerzliga fordert eindeutige gesetzliche Regelung
Die Deutsche Schmerzliga hat auf einer Pressekonferenz in
Berlin am 15. Juni 2012 die Bundesregierung erneut aufgefordert, stark wirksame
Schmerzmittel von der automatischen Austauschpflicht per Gesetz auszuschließen
und so eine eindeutige Regelung zu treffen. Denn ein aktueller Änderungsantrag
im Rahmen der Novelle des Arzneimittelgesetzes lässt befürchten, dass die
Umsetzung des berechtigten Anliegens der Schmerzpatienten trotz der
Unterstützung durch den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages erneut auf
die lange Bank geschoben werden soll.
Die Freude war Ende Mai diesen Jahres groß gewesen, als
der Petitions-Ausschuss des Deutschen Bundestages die Forderung der Deutschen
Schmerzliga unterstützte, starke Schmerzmittel von der automatischen Austauschpflicht
auszunehmen. Denn diese Austauschpflicht führt in vielen Fällen dazu, dass Patienten durch die Umstellung auf ein anderes, wenn auch wirkstoffgleiches Medikament, vermehrt unter Schmerzen oder unerwünschten Nebenwirkungen leiden.
Der Ausschuss hatte die Petition der Patientenorganisation, die
Anfang 2011 von 75.000 Menschen unterstützt worden war, dem Bundesministerium
für Gesundheit als Material überwiesen und den Fraktionen zur Kenntnis gegeben.
„Man halte die Eingabe für geeignet, bei künftigen Überlegungen der
Bundesregierung einbezogen zu werden und nehme das darin vorgetragene Anliegen
sehr ernst“, verlautbarte der Ausschuss.
Die Forderung der Schmerzliga könnte im Rahmen
anstehender Gesetzesänderungen problemlos umgesetzt werden: In den
„Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung“ müsste nur ein Absatz eingefügt
werden: „(1b)Betäubungsmittel gemäß Betäubungsmittelgesetz (BtmG), Anlage III
sind von der automatischen Austauschpflicht gem. Abs. 1 Satz 1 ausgeschlossen.“
Doch die Regierungsfraktionen scheuen diese eindeutige
Regelung. Stattdessen wurde im jetzt vorliegenden Anderungsantrag eine wachsweiche „Kann-Regelung“ formuliert und vor allem die Entscheidung, ob starke Schmerzmittel von der automatischen
Austauschpflicht ausgenommen werden sollen, der Selbstverwaltung aus
Apothekerverband und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen
übertragen. Die Folge ist klar: Das Recht der Patienten auf eine adäquate
Schmerztherapie droht – wieder einmal – im Gezerre um Kosten und Prioritäten
auf der Strecke bleiben.
"Der aktuell vorliegende Änderungsantrag wird in
keiner Weise dem Hauptanliegen der von uns eingebrachten und vom Ausschuss
einstimmig befürworteten Petition gerecht, kritisiert Privat Dozent Dr. Michael
Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga. "Wir sind daher in großer
Sorge, dass durch diese Regelung eine rasche Lösung des Problems zu Gunsten der
betroffenen Patienten erneut in weite Ferne rückt", vermutet die
Ehrenpräsidentin der Patientenorganisation, Dr. Marianne Koch, die die Petition
2011 auf den Weg gebracht hatte. Die Schmerzliga fordert die Bundesregierung daher auf, den ursprünglichen Wortlaut der Petition in den Gesetzentwurf aufzunehmen.
Donnerstag, 24. Mai 2012
»Eine wichtige Entscheidung für Schmerzpatienten und für eine bessere Schmerztherapie« /Deutsche Schmerzliga begrüßt das Votum des Petitionsausschusses, starke Schmerzmittel von der Austauschpflicht auszunehmen
»Für Millionen Patienten mit starken chronischen
Schmerzen ist die gestrige Entscheidung des Petitionsausschuss des Deutschen
Bundestages eine gute Nachricht«, erklärt Dr. med. Marianne Koch,
Ehrenpräsidentin der Deutschen Schmerzliga. »Wir freuen uns sehr, dass der
Ausschuss unsere Forderung unterstützt, starke Schmerzmittel von der
automatischen Austauschpflicht gegen Medikamente auszunehmen, mit denen die
jeweilige Krankenkasse des Patienten einen Rabattvertrag abgeschlossen hat«,
sagt Privat Dozent Dr. med. Michael A. Überall, Nürnberg, Präsident der
Deutschen Schmerzliga.
Im Januar 2011 hatte Dr. Marianne Koch als Präsidentin
der Deutschen Schmerzliga eine Petition beim Petitionsausschuss des Deutschen
Bundestages eingereicht: Starke Schmerzmittel sollen aus der automatischen
Austauschpflicht gegen ein Arzneimittel herausgenommen werden, mit dessen
Hersteller die Krankenkasse des Patienten einen Rabattvertrag abgeschlossen
hat. Denn Umfragen der Patientenorganisation belegen, dass Patienten, die gut
auf eine medikamentöse Schmerztherapie eingestellt sind, vermehrt unter
Schmerzen oder mehr unerwünschten Nebenwirkungen leiden, wenn das Präparat ohne
medizinischen Grund ausgetauscht wird. Mehr als 72.000 Menschen hatten diese
Petition unterstützt.
Bei einer öffentlichen Anhörung vor dem
Petitionsausschuss im Mai letzten Jahres hatte Dr. Marianne Koch die
Forderungen der Patientenorganisation erläutert und berichtet, dass etwa 70
Prozent der Patienten Probleme bei einer Umstellung hätten und dass darüber
hinaus viele Patienten mehrfach oder immer wieder umgestellt würden.
»Die einstimmige Entscheidung des
Petitionsausschusses unser Anliegen ernst zu nehmen, die Petition an das
Bundesministerium für Gesundheit zu überweisen und den Fraktionen zur Kenntnis
zu geben, belegt, dass die Politiker nachvollziehen können, dass chronische
Schmerzpatienten besondere Bedürfnisse haben und das starke Schmerzmittel,
Opiate, die dem Betäubungsmittelrecht unterstehen, eine besondere
Substanzklasse sind«, erklärt Schmerzliga-Präsident PD Dr. Michael A. Überall.
»Nun liegt der Ball wieder im Gesundheitsministerium und es ist unsere Aufgabe
dafür zu sorgen«, so der Schmerztherapeut und Facharzt für Kinderheilkunde und
Jugendmedizin weiter, »dass der Ball dort nun nicht in einer Ecke liegen
bleibt, sondern dass schnellstmöglich die erforderlichen Entscheidungen
getroffen werden, damit die Schmerztherapie wieder von den medizinischen
Erfordernissen der Patientinnen und Patienten und nicht von Rabattverträgen
bestimmt wird.«
Dienstag, 15. Mai 2012
Ein Durchbruch für Patienten: Schmerzmedizin wird Pflichtfach im Medizinstudium / Deutsche Schmerzliga begrüßt neue Approbationsordnung für Ärzte
![]() |
| PD Dr. med. Michael A. Überall |
Die Änderung der Approbationsordnung für Ärzte scheint
geringfügig – eine Zahl, ein Wort. »Doch für Patientinnen und Patienten mit
chronischen Schmerzen ist sie ein Durchbruch«, erklärt PD Dr. med. Michael A. Überall, Nürnberg, Präsident der Deutschen Schmerzliga e.V. »Die
Schmerzmedizin wird Pflichtfach im Medizinstudium.« »Endlich! Es
ist eine riesige Freude, dass unser jahrelanger Einsatz für eine bessere
Versorgung von Schmerzpatienten politisch umgesetzt wurde und die
Schmerzmedizin zukünftig als Querschnittsfach zum Medizinstudium gehören wird«,
ergänzt Dr. med. Marianne Koch, die langjährige Präsidentin und jetzige
Ehrenpräsidentin der Patientenorganisation.
Am 11. Mai 2012 hat der Bundesrat der Verordnung zur
Änderung der Approbationsordnung für Ärzte zugestimmt. Damit wird die
Schmerzmedizin zum Pflichtfach im Medizinstudium. Alle angehenden Ärzte werden
auf dem Gebiet der Diagnostik, Therapie und Prävention chronischer Schmerzen
ausgebildet. »Die Universitäten sind jetzt verpflichtet, Schmerzmedizin zu
unterrichten und ab 2016 müssen Medizinstudenten, die sich zum zweiten
Staatsexamen anmelden, entsprechende Leistungsnachweise vorlegen«, erklärt PD
Dr. Michael A. Überall, Nürnberg, Präsident der Deutschen Schmerzliga e.V.
Seit mehr als 20 Jahren setzt sich die Deutsche
Schmerzliga für eine bessere Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen
ein. Diese hängt vor allem auch von einer guten Ausbildung der Ärzte auf dem
Gebiet der Schmerzmedizin ab. »Tatsache war jedoch, dass Ärzte ihr Studium und
ihre Facharztausbildung abschließen konnten, ohne jemals mit dem Thema in
Berührung gekommen zu sein,« betont Überall. »Die enormen Fortschritte in der
Schmerzmedizin kamen bei den Patienten nicht an, weil die Ärzte nicht gelernt
hatten, wie sie chronische Schmerzen diagnostizieren, behandeln und ihnen vor
allem vorbeugen können.«
Die neue Approbationsordnung, die unter
Gesundheitsminister Christian Bahr auf den Weg gebracht wurde, wird dies nun
hoffentlich ändern: Ab 2016 ist die Ausbildung in Schmerzmedizin eine der Voraussetzungen,
um zum medizinischen Staatsexamen zugelassen zu werden.
»Die bessere Breitenausbildung der Medizinstudenten in
Schmerzmedizin ist ein wichtiger Meilenstein«, sagt Dr. Überall. Allerdings
sind nach Auffassung der Patientenorganisation weitere Schritte erforderlich,
um die schätzungsweise 15 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen besser
zu versorgen. Dies gilt insbesondere für jene fünf bis sechs Millionen
Patientinnen und Patienten, deren Schmerz sich verselbstständigt hat und die daher
an einem eigenständigen Krankheitsbild, der chronischen Schmerzkrankheit
leiden. »Die Deutsche Schmerzliga wird sich nicht nur dafür einsetzen, dass ein
Facharzt für Schmerzmedizin geschaffen wird, der für die Therapie dieser
komplexen Erkrankung qualifiziert und ausgebildet ist«, sagt Dr. Überall,
sondern auch dafür, dass »die Schmerzmedizin als ein an den
Patientenbedürfnissen orientiertes fachgebietsübergreifendes Querschnittsfach
nicht nur formal sondern auch konkret realisiert wird«.
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