
Herzlich Willkommen bei der Deutschen Schmerzliga e.V.! Chronische Schmerzen sind eine Krankheit, unter der viele Millionen Menschen in Deutschland unnötig leiden. Unnötig deshalb, weil es heute viele Therapieansätze gibt, chronische Schmerzen effektiv zu behandeln. Die Deutsche Schmerzliga e.V. macht sich seit über 20 Jahren stark für die Belange von Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden. Informationen unter: www.schmerzliga.de
Donnerstag, 1. November 2012
Quo vadis Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.?
Dem Beschluss vorausgegangen war ein im Vorfeld der Mitgliederversammlung der Deutschen Schmerzgesellschaft frist- und satzungsgerecht eingereichter Antrag des DGS-Vorstandsmitglieds Dr. Emrich sowie eine hochemotionale Diskussion an deren traurigem Ende die Patientenvertreter der Deutschen Schmerzliga fassungslos miterleben mussten, dass die gemeinsamen Bemühungen zur Verbesserung der schmerzmedizinischen Versorgung chronischer Schmerzpatienten in Deutschland von den Mitgliedern der Deutschen Schmerzgesellschaft – gegen die ausdrückliche Empfehlung des eigenen Vorstandes – keine Mehrheit fanden.
„Mit diesem Mehrheitsvotum haben die Mitglieder der Deutschen Schmerzgesellschaft dem Anliegen chronischer Schmerzpatienten einen Bärendienst erwiesen“ konstatiert der Präsident der Deutschen Schmerzliga Dr. Michael Überall frustriert. „Damit wurden uns und all unseren Bemühungen um eine gemeinsame Position bzgl. dieses Uranliegen niedergelassenen Schmerztherapeuten und chronischer Schmerzpatienten der Boden unter den Füßen weggezogen. Wir sind von dieser Entwicklung überrascht worden und müssen nun zusammen mit dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie diskutieren, wie wir weiter machen“, fasst Vizepräsident Harry Kletzko dieses Ergebnis der Mitgliederversammlung der Deutschen Schmerzgesellschaft zusammen. „Klar ist, dass wir jetzt nicht einfach da weiter machen können, wo wir zuletzt standen“ schließt Überall. „Letztlich wurde mit diesem Mitgliederbeschluss ja auch die jahrelange Arbeit des bisherigen Vorstandes der Deutschen Schmerzgesellschaft in Frage gestellt.“
„Jetzt muss der Vorstand der Deutschen Schmerzgesellschaft aus meiner Sicht nun erst einmal klären, welche Position er in Zukunft vertreten will“, erläutert Überall dem Vorstand der Deutschen Schmerzliga die aktuelle Situation. Hier ist jetzt dringende Aufklärung seitens der Deutschen Schmerzgesellschaft zu leisten, was letztlich Anlass für diese überraschende Ablehnung des Antrags für ihre Mitgliederversammlung war.
Noch am Abend beschlossen die Präsidenten der Deutschen Schmerzliga und der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, sich auch von diesem neuen Hindernis nicht von ihrem eingeschlagenen Weg abbringen zu lassen. „Wir brauchen dringend einen Facharzt für Schmerzmedizin, wenn wir die gesundheitspolitischen Grundprobleme der unzureichenden Versorgung von Schmerzpatienten in Deutschland lösen wollen“ schließt Dr. Müller-Schwefe und Dr. Überall ergänzt, dass „die Deutsche Schmerzliga auch weiterhin gemeinsam mit allen ernsthaft an einer Verbesserung der schmerzmedizinischen Versorgung in Deutschland interessierten Fachgesellschaften zusammen arbeiten wird, diese müssten jedoch eindeutig und zweifelsfrei Position beziehen und Stellung nehmen, wie sie gedenken die Bedürfnisse Betroffener nachhaltig zu verbessern“. Bleibt abzuwarten, wie sich die Deutsche Schmerzgesellschaft dazu äußert.
Montag, 29. Oktober 2012
Chronischer Schmerz: Wird zu viel operiert? Rückblick auf die 15. Südwestdeutschen Schmerztage
Interview mit Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe
Dienstag, 9. Oktober 2012
»Schmerz alleine ist kein Grund für eine Operation« Auf Messers Schneide – wird zu viel operiert? / Patientenforum im Rahmen der 15. Südwestdeutschen Schmerztage in Göppingen
Kann man ständige Schmerzen einfach wegoperieren? Viele Ärzte und Patienten scheinen davon überzeugt zu sein. So stieg beispielsweise innerhalb von drei Jahren – zwischen 2007 und 2010 – die Zahl der Bandscheiben-Operationen in Deutschland um 30 Prozent. Im Jahr 2007 registrierte das Statistische Bundesamt 140.000 Eingriffe, 2010 waren es bereits 171.000 (aktuellere Daten liegen nicht vor). Die Zahl der Wirbelsäulenversteifungen mit Schrauben und Platten aus Metall hat sich in diesem Zeitraum sogar nahezu verdreifacht.
Überflüssige Eingriffe. Gegen nahezu alle Schmerzarten werden heute Operationen angeboten, sogar gegen Migräne. Doch trotz aller Fortschritte der Operationstechniken mehren sich inzwischen die Hinweise, dass viele dieser Eingriffe überflüssig sind, mitunter sogar schädlich. »Wir wissen beispielsweise schon seit Jahren, dass es Patienten mit Bandscheibenvorfall und ins Bein ausstrahlenden Schmerzen ob mit oder ohne OP nach einem Jahr besser geht«, sagt Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Leiter der Südwestdeutschen Schmerztage.
Zweit-Meinung vor Operation. Darum bietet die Techniker Krankenkasse seit dem Jahr 2010 ihren Versicherten die Möglichkeit, sich vor einer Rücken-Operation eine zweite Expertenmeinung in speziellen Schmerzzentren einzuholen. Das Göppinger Schmerzzentrum von Dr. Müller-Schwefe ist eines dieser Zentren, von denen es bundesweit über 30 gibt.
In 85 Prozent der Fälle ist keine OP nötig. Von diesem Angebot haben zwischenzeitlich 500 Patientinnen und Patienten Gebrauch gemacht. Das Ergebnis einer Auswertung des Programms zu Beginn des Jahres überraschte selbst Experten: In 85 Prozent der Fälle riet das Schmerzteam – bestehend aus Schmerzmediziner, Psychotherapeut und Physiotherapeut – von einer Operation ab und empfahl eine sogenannte multimodale Therapie, die inzwischen der Goldstandard in der Schmerzbehandlung ist. Multimodal bedeutet, dass verschiedene Therapien – Medikamente, Bewegung, psychologische Strategien, Physiotherapie – von jeweiligen Experten im Rahmen eines Kompaktprogrammes kombiniert werden. »Dieses Vorgehen ist besonders bei Rückenschmerzen hochwirksam«, sagt Dr. Müller-Schwefe. »Die Erfolgsrate liegt bei über 80 Prozent.«
Gleichwohl räumt der Experte ein, dass es natürlich Fälle gibt, bei denen eine Operation hilfreich ist. »Auf der einen Seite sind Operationen zwar Verletzungen und bergen Risiken«, sagt Dr. Müller-Schwefe. »Auf der anderen Seite darf man nicht so lange warten bis unumkehrbare Schäden entstanden sind, wenn ein Eingriff die beste Lösung ist.«
Wichtig ist eine gute Schmerztherapie nach der Operation. »Ist eine Operation erforderlich, müssen die Therapieziele realistisch gesetzt werden«, rät Dr. Müller-Schwefe. Denn nicht nur der Eingriff selbst, sondern auch die richtige Nachbehandlung sind für das Behandlungsergebnis entscheidend. »Zu dieser Nachbehandlung gehört in jedem Fall eine gute Schmerztherapie«, sagt Dr. Müller-Schwefe. Denn wer Schmerzen hat, mag sich nicht bewegen und aktiv werden. Doch dies ist entscheidend für den Behandlungserfolg. »Wenn ein Therapieergebnis nicht zufriedenstellend ausfällt, muss dies nicht an der Operation liegen, sondern kann die Folge einer ungenügenden postoperativen Schmerzbehandlung und damit das Ergebnis mangelnder Aktivierungs- und Trainingsmöglich-keiten sein.«
Im Patientenforum im Rahmen der Südwestdeutschen Schmerztage informieren Fachleute auf verschiedenen medizinischen Gebieten über die aktuellen Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie von Schmerzen des Bewegungssystems und erläutern Chancen und Risiken operativer und konservativer Therapien. Der bekannte Rundfunkmoderator Michael Branik wird durch das Forum führen und mit kritischen Nachfragen für präzise Informationen sorgen.
Schmerz verstehen und behandeln
Auf Messers Schneide: Wird zu viel operiert?
Öffentliches Forum am Freitag, 12. Oktober 2012 · 18:00 Uhr · Stadthalle Göppingen
http://www.schmerztag.org/
Donnerstag, 28. Juni 2012
Birgitta Gibson, Vizepräsidentin der Deutschen Schmerzliga, mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet
Samstag, 16. Juni 2012
Herausnahme starker Schmerzmittel aus der Austauschpflicht: Schmerzliga fordert eindeutige gesetzliche Regelung
Donnerstag, 24. Mai 2012
»Eine wichtige Entscheidung für Schmerzpatienten und für eine bessere Schmerztherapie« /Deutsche Schmerzliga begrüßt das Votum des Petitionsausschusses, starke Schmerzmittel von der Austauschpflicht auszunehmen
Dienstag, 15. Mai 2012
Ein Durchbruch für Patienten: Schmerzmedizin wird Pflichtfach im Medizinstudium / Deutsche Schmerzliga begrüßt neue Approbationsordnung für Ärzte
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PD Dr. med. Michael A. Überall |
Montag, 23. April 2012
Dr. Michael A. Überall aus Nürnberg zum Präsidenten der Deutschen Schmerzliga e.V. gewählt

„Die Schmerzliga steht auf zwei Säulen“, erklärt Dr. Überall. „Die eine ist die regionale Arbeit der rund 100 Selbsthilfegruppen, die unter dem Dach der Schmerzliga zusammenarbeiten. Die zweite Säule sind die bundespolitischen Aktivitäten, um die Situation der Schmerzpatienten nachhaltig zu verbessern. Ich werde mein Bestes geben, um beide Säulen so gut es geht zu stärken.“
Neu als Vizepräsidentinnen in den Vorstand gewählt wurden Susanne Wüste, Leiterin der Selbsthilfegruppe "Schmerz und Hoffnung" in Lindlar, und Rita Aßfalg, Leiterin von zwei Schmerz-Selbsthilfegruppen Bodensee-Oberschwaben in Ravensburg und Friedrichshafen sowie 1. Vorsitzende des Selbsthilfenetzwerkes im Landkreis Ravensburg.
Im Amt als Vizepräsidenten der Gesellschaft bestätigt wurden: Birgitta Gibson, Diezenbach, Gründungsmitglied der Deutschen Schmerzliga und Leiterin einer Selbsthilfegruppe in Frankfurt/Main sowie Harry Kletzko, Mitglied der Ethikkommission des Zentralverbandes der Physiotherapeuten Deutschlands, Diez. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, Dr. Gerhard H.H. Müller-Schwefe, Göppingen, ist qua Amt Mitglied im Vorstand der Schmerzliga.
Die Deutsche Schmerzliga setzt sich seit über 20 Jahren für eine bessere Versorgung der 15 Millionen Patienten mit chronischen oder wiederkehrenden Schmerzen ein. An ihrer Spitze stand von 1997 bis 2011 als Präsidentin Dr. med. Marianne Koch, die im Juli 2011 ihr Amt niederlegte und seither als Ehrenpräsidentin die Schmerzliga weiter unterstützt.
Mittwoch, 11. April 2012
Viele bunte Luftballons für Dr. Marianne Koch
Donnerstag, 19. Januar 2012
Schmerzgedächtnis gelöscht – im Experiment
Schmerzforscher der Medizinischen Universität Wien und der Universitätsmedizin Mannheim konnten bei Ratten mit einer hoch dosierten Gabe von Opioiden ein „frisch gespurtes“ Schmerzgedächtnis löschen. Die Untersuchungen wurden an den Tieren in tiefer Narkose durchgeführt. Bei dem Experiment erregten die Wissenschaftler kontrolliert Schmerzfasern der Tiere. Diese Stimulation der Schmerzfasern führt dazu, dass nach einiger Zeit die Übertragung der Signale zwischen den Nervenzellen im Rückenmark verstärkt wird – die Empfindlichkeit der schmerzverarbeitenden Nervenzellen für einlaufende Impulse nimmt zu. So bildet sich das „Schmerzgedächtnis“.
Durch die hochdosierte, intravenöse Gabe eines Opioids über längere Zeit konnten die Wissenschaftler um Professor Jürgen Sandkühler diese Potenzierung vollständig aufheben. Die zelluläre Gedächtnisspur im Rückenmark wurde gelöscht. Allerdings überprüften die Forscher bislang nur die Opioidgabe innerhalb der ersten sechs Stunden nach Beginn der Schmerzreizung, also dann, wenn die innerzellulären Veränderungen noch frisch sind. Darum ist unklar, ob dieses Prinzip gegen bereits länger bestehenden chronischen Schmerz überhaupt wirksam sein kann. Vor allem lassen sich die Ergebnisse von Labor-Experimenten nicht einfach auf den Menschen übertragen. Darum planen die Wissenschaftler nun erste klinische Studien mit Schmerzpatienten.
Professor Jürgen Sandkühler ist Träger des Ehrenpreises des Deutschen Schmerzpreises 2010.